Mein Kleiderschrank schlief nie gut. Er stand da, massiv aus Kiefer, u…
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Die Verwandlung begann mit einer radikalen Idee. Was, wenn der Kleiderschrank selbst schlafen könnte? Nicht im übertragenen Sinne, sondern ganz konkret als Stauraum für ein Gästebett. Ich fand einen schmalen Kleiderschrank aus Eiche, nur 45 Zentimeter tief, aber 2,20 Meter breit. In seinem Inneren verstaute ich nicht nur Hosen und Hemden, sondern auch eine dünne Matratze, die ich aufrecht an die Seitenwand lehnte. Darunter, im Sockelbereich, lag ein flacher Kasten mit einem Satz Bettwäsche. Plötzlich hatte ich Platz für zwei Übernachtungsgäste, ohne dass das Zimmer zugestellt wirkte. Der bedroom wardrobe wurde zum stillen Helfer, der nachts seine Türen öffnete und ein Bett hervorzauberte.
Doch nicht jeder hat die Lust am Selberbauen oder einen meterbreiten Schrank. Viele von uns leben mit einem relativ kleinen Schlafzimmer, in dem ein konventionelles Bett plus Kleiderschrank die Bewegungsfreiheit rauben. Die Lösung kann ein Bett mit storage integriertem System sein. Statt eines massiven Bettrahmens mit offenem Unterboden kaufte ich ein Modell mit drei großen Schubladen unter der Liegefläche. Jede Schublade fasst Winterpullover, Jeans oder sogar eine zweite Garnitur Bettwäsche. Den herkömmlichen Kleiderschrank reduzierte ich auf ein offenes Garderobensystem an der Wand. So gewann ich fast einen Meter Gehfläche und das Gefühl von Weite.
Besonders spannend wird es, wenn der bedroom wardrobe gar nicht mehr als klassischer Schrank auftritt. In meiner letzten Wohnung kombinierte ich eine hohe, schmale Kommode mit einem darüberliegenden an der Decke. Das sparte den gesamten Platz für Türen, die sonst aufschwingen. Und weil der Boden frei blieb, stellte ich dort einen schmalen sofa bed hinein. Dieses Teil ist nur 80 Zentimeter breit, aber wenn der Arm ausgeklappt wird, entsteht eine flache Liegefläche für eine Person. Die Rückenpolster der Couch dienen tagsüber als Sitzkissen für zwei. Nachts lasse ich den sofa bed einfach ausgefahren stehen, die Kissen fallen nach hinten, und ich habe ein zweites Bett ohne zusätzlichen Stellplatz.
Das Prinzip dahinter ist simpel: Jedes Möbelstück im Schlafzimmer sollte mindestens zwei Aufgaben erfüllen. Meine Tante besitzt einen Kleiderschrank mit eingebauter Klappfunktion. Sie öffnet die untere Schranktür, klappt ein Brett heraus, das auf zwei ausziehbaren Beinen steht, und hat einen stabilen Tisch für den Laptop oder das Frühstückstablett. Wenn Gäste kommen, wird das Brett entfernt, und sie zieht eine zweite Matratze aus dem Schrank. Der Trick dabei: Der Schrank ist nur 55 Zentimeter tief, sodass die ausgezogene Matratze genau auf dem Boden davor liegt. Ein Polster oder eine dünne foam mattress macht die Schlafqualität aus.
Eine besonders clevere Lösung fand ich in einem möblierten Apartment in Kopenhagen. Dort stand ein schmaler Schrank aus hellem Birkenholz, der auf den ersten Blick völlig normal wirkte. Die vordere Hälfte der unteren Schranktür ließ sich jedoch nach vorne kippen. Dahinter verbarg sich ein flaches Fach mit einem zusammengerollten Futon und einem kleinen Kissen. Die Oberseite des Schranks diente als Nachttisch. Der gesamte Mechanismus war simpel, aber genial. Keine Schrauben, keine Hebel, nur ein Scharnier und ein Riegel. Der bedroom wardrobe wurde so zum Architekten des Raums, weil er die Grenze zwischen Kleideraufbewahrung und Schlafplatz verschwimmen ließ.
Für alle, die ihren Kleiderschrank nicht umbauen wollen, gibt es eine Alternative: den pull-out sofa als Gästebett. Ich habe selbst ein Modell mit einem ausgeprägten click-clack mechanism getestet. Man zieht die Sitzfläche nach vorne, drückt die Rückenlehne nach hinten – es macht ein leises Klicken, dann liegt sie flach. Die Polsterung besteht aus einem mehrlagigen foam mattress Kern, der sich weich anfühlt, aber nicht durchliegt. Tagsüber steht das Sofa als Sitzgelegenheit im Wohnzimmer, nachts rollt man es einfach ins Schlafzimmer. Der Clou: Der Stauraum unter der Sitzfläche fasst Bettwäsche und ein kleines Kissen. So entsteht ein komplettes Schlafsystem, das den Kleiderschrank entlastet.
Ein Punkt, den viele vergessen: Die Höhe des Schranks. Ein hoher bedroom wardrobe bis zur Decke bietet mehr Stauraum für Koffer und Decken, aber er wirkt massiv. Ich habe meinen Schrank auf 2,10 Meter gekürzt und darüber eine offene Ablage für Koffer und Gepäck angebracht. Den frei gewordenen Platz unter dem Schrank, etwa 20 Zentimeter hoch, nutze ich für flache Aufbewahrungsboxen mit Saisonkleidung. Und weil der Schrank nicht bis zum Boden reicht, sieht der Raum luftiger aus. In diese Lücke schiebe ich nachts einen ausklappbaren Hocker mit einer gepolsterten Auflage – das improvisierte Bett für den Kurzbesuch.
Am Ende zählt nicht das Möbelstück an sich, sondern wie es sich in den Alltag fügt. Mein aktueller bedroom wardrobe ist ein schlichter, weiße Fronten mit Griffmulden. Er nimmt nur 1,80 Meter Wandfläche ein. Darin hängen meine Anzüge, darunter liegen Pullover gestapelt. Die oberen Fächer bewahren die Winterdecke und zwei Kissen auf. An der Seite habe ich einen schmalen, etwa 30 Zentimeter breiten Schrank ohne hintere Rückwand angebaut. Dahinter verläuft ein Vorhang, und dahinter steht tagsüber ein zusammengeklappter sofa bed. Wenn ich ihn ausziehe, schiebt er sich genau unter den Vorhang. So wirkt der Raum aufgeräumt, obwohl ein komplettes Gästebett parat steht.
Probieren Sie es aus. Nehmen Sie Ihren Kleiderschrank auseinander – im übertragenen Sinne. Fragen Sie sich: Was brauche ich wirklich zum Schlafen? Eine flache foam mattress auf einem stabilen slatted frame reicht oft aus, dazu ein Kissen und eine Decke. Der Rest ist Komfort, der Platz frisst. Wenn Sie diesen Komfort in den Schrank verlegen, gewinnen Sie Bodenfläche für Bewegung, für einen Schreibtisch oder für einen gemütlichen Sessel. Der bedroom wardrobe wird vom Stauraummonster zum Raumgestalter. Und das Beste: Ihre Gäste werden nie erfahren, dass ihr Bett eigentlich nur ein Kleiderregal war.
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